HERE-Gründer im Interview zur Zukunft von autonomem Fahren

Foto: Toyota
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In einem Interview mit 2025AD, dem Blog zum Autonomen Fahren des Automotive-Zulieferers Continental, gibt Russell Shields Einblicke in die nahe und mittlere Zukunft der Industrie. Russ Shields, der selten Interviews gibt und deshalb sogar unter Experten in dem Gebiet nicht unbedingt ein bekannter Name ist, ist Gründer von Navteq – der Firma, die heute unter dem Namen HERE zu Audi, BMW und Daimler gehört. Seine neue Firma heißt Ygomi und hat das  Ziel, eine weltweit aktuelle Straßennetzdatenbank zu entwickeln, die als Basis für autonome Fahrzeuge eingesetzt wird. Wir fassen die Kernaussagen des Interviews hier zusammen.

Wann sehen wir autonome Fahrzeuge im normalen Verkehr?

Russell Shields, Gründer der HERE-Vorgängerfirma Navteq und Experte für Autonomes Fahren
Russell Shields, Gründer der HERE-Vorgängerfirma Navteq und Experte für Autonomes Fahren

Hochautonome Fahrzeuge würden laut Shields ab 2020/2021 auf unseren Straßen unterwegs sein. Allerdings zunächst immer noch auf bestimmten Strecken, insbesondere Autobahnen mit gut vorhersehbaren Verkehrsbedingungen. In 2025 könnten auch Landstraßen abgedeckt sein. Vollautonomes Fahren von Tür zu Tür, sog. SAE level 5 automation, sei erst ab den 2030er Jahren zu erwarten. Google und Uber, die den Anschein erwecken, als würden vollautonome Fahrzeuge schon in den nächsten Jahren möglich sein, unterschätzen die Herausforderung. Daher hätten die deutschen Hersteller auch keinen Entwicklungsrückstand im internationalen Vergleich.

Welche Rolle spielen digitale Karten in Bezug auf autonomes Fahren?

Als Pionier auf dem Gebiet habe Shields früh erkannt, dass ohne verlässliche digitale Karten kein autonomer Verkehr möglich sein würde. In den 1990ern war es technologisch noch undenkbar, dies umzusetzen. Erst in den letzten paar Jahren wurde es offensichtlich und machbar, digitale Karten als Basis für die autonome Navigation einzusetzen.

Was ist die nächste Herausforderung für digitale Karten in der Navigation?

Navigationsgeräte gibt es schon seit Jahrzehnten und sie funktionieren mittlerweile mit wenigen Fehlern. Fehler passieren jedoch immer wieder, und solange ein Mensch die Angaben des Navigationsgeräts nur als Orientierung nutzt, kann er schwere Folgen der Fehler verhindern. Doch wenn die Kommunikation in Zukunft nur noch zwischen Maschinen erfolgt, muss es effektive Mechanismen geben, Fehler zu verhindern. Die größte Herausforderung für HERE und andere Mapping-Unternehmen liege laut Shields also darin, den Übergang von Maschine-Mensch-Kommunikation zu Maschine-zu-Maschine-Kommunikation in der Navigation sicher zu ermöglichen.

Welche Entwicklungen sind auf dem asiatischen Markt zu erwarten?

Nicht nur auf dem asiatischen Markt, sondern überall weltweit, gibt es unterschiedliche Straßen-, Verkehrs-, kulturelle und politische Rahmenbedingungen, die auch in digitalen Karten wiedergegeben werden müssen. Produkte müssen ausgiebig getestet und an verschiedene Märkte angepasst werden. Es bestehe laut Shields auch immer das Risiko, dass Regierungen ihre nationale Industrie schützen und internationale Unternehmen von Märkten ausschließen.

Besonders chinesische Firmen, die häufig über eine starke finanzielle Ausstattung verfügen, könnten in Zukunft zu wichtigen Konkurrenten für HERE und Konsorten werden. Automatisierung und Elektrifizierung könnten laut Shields in den kommenden 20 Jahren zu großen Umbrüchen in der Automobilwirtschaft führen.

 

Über Hannes Bartl 30 Artikel
Hier schreibt Hannes Bartl über Themen aus der Welt der Geoinformationstechnik. Nach einem Studium der Geografie absolviert er seit 2015 neben seinem Beruf als Berater für Kultur- und Tourismusmarketing ein Studium der Geoinformationssysteme.

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