Tomnod: crowdgesourcte Satellitenbild-Interpretation

Screenshot Tomnod.com
Screenshot Tomnod.com

Tomnod ist eine Crowdsourcing-Plattform zur Satellitenbildinterpretation, über die die Teilnehmer Informationen aus Fernerkundungsdaten extrahieren und so zum Beispiel die Hilfsmaßnahmen nach Naturkatastrophen unterstützen können. Die Daten stammen von DigitalGlobe – einem der größten Anbieter von Satellitenbilddaten, der täglich Bilder von einem Gebiet der Größe Indiens sammelt und aufbereitet. Die automatische Interpretation der Bilder ist allerdings noch nicht so weit, diese Masse an Daten sinnvoll auszuwerten, darum werden dafür weiterhin Menschen gebraucht. 

Satellitenbild-Interpretation en masse von Laien

Normalerweise benötigt man Experten, die sich sowohl mit dem Thema, als auch mit der untersuchten Region und den technischen Hintergründen der Datengrundlage auskennen, um eine hochwertige Interpretation von Satellitendaten zu gewährleisten – zumindest bei komplexen Fragestellungen. Wenn es aber um einfache Fragen geht, z.B. um die Lokalisierung von einfach zu erkennenden Objekten, zerstörten Häusern oder Brücken nach Naturkatastrophen, kann jeder interessierte Laie helfen und durch Schwarmintelligenz entstehen hilfreiche Informationen. Dass Interesse an solchen Plattformen besteht, zeigen Fälle wie die des verschwundenen Flugzeugs MH370: hier haben rund 2,7 Millionen Menschen über Tomnod bei der Suche mitgeholfen.

Tomnod aus Nutzersicht

Der folgende Screenshot zeigt, wie die Nutzer mit Tomnod arbeiten können:

Crowdgesourcte Satellitenbildinterpretation: Tomnod.com, Fiji Winston (2016)
Crowdgesourcte Satellitenbildinterpretation: Tomnod in Benutzung (eigener Screenshot)

Es werden Kategorien von Objekten/Bereichen vorgegeben, die man finden und markieren (taggen) soll. Es stehen immer zwei Aufnahmen zur Verfügung, um einen Vergleich über verschiedene Zeitschnitte zu ermöglichen. Meint man, etwas gefunden zu haben, taggt man entsprechend und bekommt auch gleich Feedback, ob das von anderen Teilnehmern auch so erkannt wurde. Man sammelt „Punkte“ für identifizierte Objekte und bekommt zwischendurch Motivationsmeldungen bei bestimmten Meilensteinen.

Fazit

Gegenüber allen Daten, darunter auch Open-Source-Daten wie die bei Tomnod generierten, ist immer Skepsis angebracht. Die Forschung zeigt allerdings, dass crowdgesourcte Daten nicht von Vorneherein schlechter sein müssen als institutionelle. Auch wenn selbstredend nicht jeder Teilnehmer Experte auf dem Gebiet der Satellitenbildinterpretation sein kann: die Masse an Eingaben durch hilfsbereite Laien kann zu hilfreichen und vor allem schnellen Informationen führen, die besonders im Bereich der Nothilfe nach Naturkatastrophen von großem Nutzen sein können.

Selbst ausprobieren

Hier geht es zur Website: www.tomnod.com und zur aktuellen Kampagne zu den Schäden durch Sturm Winston auf den Fiji-Inseln.

Über Hannes Bartl 30 Artikel
Hier schreibt Hannes Bartl über Themen aus der Welt der Geoinformationstechnik. Nach einem Studium der Geografie absolviert er seit 2015 neben seinem Beruf als Berater für Kultur- und Tourismusmarketing ein Studium der Geoinformationssysteme.

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


*